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Die stumme Frau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurzbeschreibung:

 

Sören Bergwart ist ein berühmter Horrorfilmdarsteller. Er wird oft mit dem legendären `Klaus Kinski` verglichen, wenngleich er im Gegensatz zu Kinski, gutaussehend ist und sich vor Verehrerinnen kaum zu retten weiß. Er lebt vollkommen zurückgezogen in einer Villa, in der Nähe von Aschaffenburg, zusammen mit seiner verschwiegenen Frau Yoko, für die er diese Einsamkeit gewählt hat.
Nicht einmal seine engsten Kollegen lernen Yoko kennen, da sie, wie er behauptet, an einer Nervenkrankheit leidet und an den Rollstuhl gefesselt ist. In Wahrheit jedoch ist Yoko eine lebensechte Puppe, die er für viel Geld erstanden hat.
Nach mehreren gescheiterten Ehen und einem ambivalenten Verhältnis zu Frauen, erscheint ihm diese Lösung ideal, denn seine Puppe kann nicht sprechen und sich nicht bewegen, doch ist sie unermesslich schön und anpassungsfähig.
Er beginnt Yoko als seine Ehefrau anzusehen, liebt und verehrt sie, kann sich ihr hingeben, offen sein, ohne jemals Angst vor verbalen Verletzungen haben zu müssen, die ihn aus seiner frühen Jugend quälen. Denn mit der beginnenden Pubertät hatte seine eigene Mutter damit begonnen, ihn zu misshandeln, da er zu transpirieren begann.
Geruch entwickelt sich alsbald zu Sörens Fetisch, ganz besonders der Geruch von Angstschweiß und Entsetzen. Doch Eigengeruch kann ihm Yoko leider nicht bieten.
So beginnt Sören eines Tages zu jagen. Er sucht Frauen, die eine ähnliche Figur wie Yoko haben und ein schönes Kleid tragen, dabei macht er auch bei der eigenen Kollegin nicht Halt. Er quält die Frauen aufs Unermessliche, bevor er sie tötet.

 

 

 

Leseprobe:

 

1

 

Es war ein herrlicher Frühsommertag Anfang Mai, er schippte das Loch in der Erde zu und sah zu Yoko hinüber.  „Bist du zufrieden Liebes, habe ich es schön gemacht?“

Sie lächelte sanft, wie sie es immer tat. Er liebte sie dafür, und wie sehr er sie liebte. Sie war so verständnisvoll, nie hatte er eine Frau wie sie gehabt, so ruhig und liebevoll, immer ein Lächeln auf den Lippen, nie launisch oder nörglerisch. Dazu immer gepflegt. Sie beobachtete ihn mit ihren schönen, mandelförmigen Augen und lächelte glücklich. Das Leben konnte so wundervoll sein. Er wollte immer bei ihr sein. Jede Minute ohne sie war das Leben für ihn eine Qual.

Er hatte dieses Haus im Spessart nur für sie ausgesucht, direkt am Waldrand gelegen, keine Nachbarn weit und breit, nur der Wald und die Natur.

Sie brauchte die Ruhe, war nicht für die Stadt geschaffen, sie war viel zu zart und zerbrechlich. Ihr wunderschöner Teint würde leiden von all den Abgasen der Stadt, das wollte er ihr nicht antun.

Wenn er glaubte, er müsse in die Stadt, was hin und wieder vorkam, dann nahm er das Auto und fuhr dreißig Kilometer bis nach Aschaffenburg. Yoko wollte nie mit und so erledigte er die Einkäufe und manchmal, wenn er etwas Leben um sich herum brauchte, setzte er sich vor das Schloss, trank einen Kaffee und beobachtete die Menschen.

 

-

 

Bis zu dem Tag, an dem Sören sich für sein Leben mit Yoko entschieden hatte, lebte er in Frankfurt am Main, der Stadt, der er viele Jahre treu geblieben war und nicht nur der Stadt, auch dem Theater, den Städtischen Bühnen. Dort hatte er viele Hauptrollen gespielt, bevor er sich entschieden hatte, sein Genre festzulegen. Seine erste Frau war auch gleichzeitig seine Partnerin auf der Bühne gewesen; sie war damals berühmt, während er noch völlig unbekannt war. Sie war um einige Jahre älter als er gewesen und hatte ihn, wie er zugeben musste, durchaus auch deswegen interessiert, weil sie ihn protegieren wollte, nein, nicht nur wollte, sie hatte es getan. Seine Begabung war augenscheinlich und irgendwann gewann er die Sympathie der Medien und sie zerbrach langsam an seinem Ruhm. Einige Jahre später starb sie an einer unerklärlichen Schwäche ihres vorher so stabilen Herzens. Er schmunzelte immer, wenn er daran dachte, dass niemand ihn verdächtigt hatte, ein klein wenig dazu beigetragen zu haben. Er empfand jedoch keine Reue – schließlich lebte man nur einmal, und es galt, sich sein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Das Ableben dieser Frau zumindest war der erste Befreiungsschlag in seinem Leben, er konnte sich nun ungehindert der Kunst widmen und begann große Rollen zu übernehmen, ebenso kleine Fernsehrollen am hessischen Rundfunk. Damals hatte er das noch nötig, um bekannter zu werden. Heute belächelte er sich beinahe selber über seinen Ehrgeiz, den er damals an den Tag gelegt hatte, denn heute kümmerte sich sein Agent um die Administrative und er brauchte nur einzuschlagen, wenn es sich um eine Rolle handelte, die ihm wirklich Spaß machte oder, wie so oft – abzulehnen.

Die nächste Frau, die ihn wenige Monate lang begleitete, war deutlich jünger als er, äußerst attraktiv und er war eine Zeit lang sehr verliebt – glaubte nun, die passende Partnerin gefunden zu haben, die durch ihre Jugend auch noch formbar war. Er heiratete auch sie. Im Nachhinein war das ein großer Fehler, denn sie wurde zunehmend fordernder und launischer. Sie bewachte ihn eifersüchtig, brüskierte seine Fans, indem sie nach seinen Auftritten auf ihn wartete und behauptete, er habe psychische Probleme und sie müsse ihn abschirmen, damit sich sein Zustand nicht verschlimmere. Wenn er nun heute so darüber nachdachte, so hatte diese verrückte junge Frau wohl den Grundstein dafür gelegt, dass er sich auf sein heutiges Genre festgelegt hatte. Nicht nur das, er spürte zunehmend, wie mühsam Beziehungen neben seinem anspruchsvollen beruflichen Leben waren. Die Ehe endete dann auch nach zwei Jahren, da seine Frau durch einen tragischen Autounfall tödlich verunglückte. Niemand hatte im Nachhinein an seinem Alibi gezweifelt, demzufolge er sich mit einer anderen Frau vergnügt hatte.

Dieses Mal genoss er seine Freiheit längere Zeit.

 Nichts desto trotz war er natürlich ein Mann und er hatte Bedürfnisse. So lernte er schließlich, nach einigen belang­losen Liaisons, Jutta kennen. Sie war Künstleragentin in einer bekannten Frankfurter Agentur. Sie verliebten sich ineinander, wenngleich sie gar nicht seinem Ideal entsprach – im Gegenteil – sie war ein hagerer, eher maskuliner Typ, mit raspelkurzen Haaren. Doch war sie intelligent und rührig, sorgte für seine erste große Filmrolle in einem Krimi, damals schon mit internationaler Besetzung. Sie reisten viel gemeinsam und eine Weile glaubte er wirklich, sie sei die Frau, mit der er es ein Leben lang aushalten konnte. Doch ausgerechnet diese Frau bedrängte ihn schon nach wenigen Monaten mit einem Kinderwunsch. Das kam für ihn natürlich überhaupt nicht infrage, und so verließ sie ihn eines Tages. Sie lebte heute wohl immer noch in Frankfurt, so viel er wusste, wenngleich sie jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen hatte.

Noch ein allerletztes Mal ging er nach gar nicht allzu langer Zeit eine Ehe ein. Wieder handelte es sich um eine Künstlerin. Sie war Tänzerin an der Frankfurter Oper. Eine wunderschöne und geschmeidige junge Frau, mit langem, seidig glänzendem, schwarzen Haar. Sie war makellos schön, wieder deutlich jünger als er und sie war Asiatin. Sie zogen in eine sündhaft teure Wohnung am Main, in ein Hochhaus. Er hasste Hochhäuser, doch sie kannte nichts anderes aus ihrer Heimat Tokyo, jedenfalls nicht aus dem Viertel, in dem sie aufgewachsen war. Und er wollte nichts als ihr Wohlbehagen. Wieder schien es ihm, als habe er endlich das große Glück gefunden, wonach er suchte, doch war sie so sehr mit sich und ihrem Körper beschäftigt, dass sie ihn kaum neben sich wahrnahm. Da er dieses Mal selber versuchte die Ehe zu retten, reiste er mit ihr nach Tokyo, um ihre Familie und ihre dort verbliebenen Freunde kennen­zulernen. Außerdem hoffte er ihr wieder näherzu­kommen, indem er Interesse an ihrer Kultur zeigte. Doch damals begriff er, dass er niemals wirklich geliebt hatte, damals nämlich begegnete er Yoko.

Die vierte Scheidung würde die letzte sein, dass wusste er augenblicklich, denn Yoko war die Frau, die er immer gesucht hatte – sein ganzes bisheriges Leben lang. Für sie brach er seine Zelte in Frankfurt ab, für sie wollte er leben.

                           

-

 

Er lehnte die Schaufel an die kleine Holzhütte. „Mein Liebes, ich wasche mir schnell die Hände, ich möchte dich nicht schmutzig machen“, sagte er und küsste sie auf ihr seidiges schwarzes Haar.

Während er sich die Hände wusch, ließ er das Badewasser ein, sie wollte jetzt baden, das brauchte sie täglich. Er fügte ein paar Tropfen Mandelöl hinzu, das liebte sie.

„Lass mich dich tragen, meine Prinzessin“, sagte er und nahm sie sanft in seine Arme. Sie war so schlank und anschmiegsam. Vorsichtig entkleidete er sie, nahm ihr die goldene Kette vom Hals, die er ihr von der letzten Tournee mitgebracht hatte,  dann roch er an ihrem Kleid. „Es hat seinen Duft verloren, ich werde dir bald ein neues besorgen.“

Er  hob sie vorsichtig in die Badewanne, wenige Sekunden später war er bei ihr.

          

 

 

 

 

 

Buch: Die stumme Frau

Preis: € 9,00 (D); € 9,30 (A)

ISBN: 978-3-940627-14-8