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Hamburger morden anders

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hamburger morden anders

Krimi-Anthologie

ISBN (Buch): 978-3-940627-19-3

Preis: € 14,00 (D); € 14,40 (A)

 

iSBN (E-Book): zurzeit nicht online

Preis: € 9,99

 

Mit Beiträgen von:

  • Laura-Luisa Neitz
  • Charlie Meyer
  • Greta R. Kuhn
  • Julia Claußen
  • Vanessa Betti
  • Astrid Ann Jabusch
  • Gabriele Nakhosteen
  • Lena Berg
  • Ina Coelen
  • Jacky Jackson
  • Brigitte Vollenberg
  • Timo Mezger
  • Richard Fliegerbauer
  • Britt Glaser
  • Anja Puhane
  • Sarah Drews
  • Carolyn Srugies
  • Angelika Flotow
  • Karin Büchel
  • Regina Schleheck
  • Bianca Schilsong
  • Kerstin Rech
  • Norbert Schäfer
  • Svea Ninke
  • Marianne Meuser

 

 

Kurzbeschreibung:

 

Mörderisches Hamburg? Na klar!

 

 Angler, die einfach ihre Ruhe haben wollen.

Maler, die etwas zu verbergen haben?

Hinterhältige Mitfahrer.

Schauspieler, die ihre Widersacher aus dem Weg räumen.

 

All das und viel mehr bereitet einen mörderischen Spaß in dem vorliegenden Buch aus der Reihe ... morden anders.

 

 

 

Leseprobe:

 

Laura-Luisa Neitz

 

Störtebekermania

 

Herzhaft gähnend stehe ich vor dem Haus, das ich noch nicht wirklich als mein Zuhause bezeichnen würde. Hamburg und ich müssen erst miteinander warm werden, was sich bei dem herbstlichen Schmuddelwetter wohl noch eine Weile hinziehen wird. Nach einem Funken Wärme haschend, klammere ich mich an meiner Thermoskanne fest. Natürlich weiß ich, dass man hier in der Stadt an jeder Ecke einen frischen Kaffee bekommt, aber alte Gewohnheiten legen sich halt nur schwer ab. In meiner vorherigen Wirkungsstätte, dem Harz, hat mich diese Thermoskanne bei manch einem Einsatz echt gerettet. Ich kann dem Drang nicht widerstehen, meine Augen zu schließen und mich in die menschenleere Natur zu träumen. Automatisch kommen mir das Gefühl des weichen Waldbodens und der Geruch feuchten Mooses in den Sinn. Penetrantes Autohupen reißt mich aus meinen Gedanken zurück in die zubetonierte, nach Abgasen riechende Realität. Vor mir wartet ein Auto – unser Dienstwagen. Müde, aber neugierig steige ich ein. Am Telefon hat mein Kollege nur etwas von einem Leichenfund in der Hafencity gemurmelt und mitgeteilt, dass er mich in ein paar Minuten abhole, weil es sowieso auf der Strecke liege.

„Moin“, begrüßt mich mein Kollege Fiete Fietsen.

Nein, das ist kein Künstlername – er heißt wirklich so. Ich hätte nie gedacht, dass es so einen Ur-Hamburger, der alle Klischees bedient, wirklich gibt.

„Morgen“, entgegne ich ebenso knapp. Es würde sich aufgesetzt anfühlen, wenn ich nach der kurzen Zeit schon im Hamburger Slang daherrede.

Im Wagen riecht es, nein, es stinkt nach Fisch. Fiete muss gemerkt haben, dass ich die Nase rümpfe, und weist mich auf die Quelle des Duftes hin.

„Ich habe die Gunst der frühen Stunde genutzt und vom Fischmarkt frische Brötchen geholt. Du kannst gerne eines abhaben. Was gibt es besseres, als sich morgens am Hafen ein leckeres Fischbrötchen zu gönnen?“

Mir fällt einiges ein, was deutlich besser ist, aber ich will es mir mit meinem neuen Kollegen nicht verscherzen. Daher lenke ich den Fokus lieber auf die Arbeit.

„Weißt du schon genaueres zum neuen Fall?“

„Ein Geköpfter auf dem Grasbrook“, fasst er die bisherigen Infos zusammen, den Blick stur nach vorne auf die Straße gerichtet, „das hatten wir doch schon mal.“

„Haben wir es etwa mit einem Serientäter zu tun?“, frage ich überrascht.

„Ich denke nicht“, schmunzelt Fiete und sieht ver-schmitzt zu mir rüber, als wir von einer Ampel ausgebremst werden. „Es sei denn, er ist seit über 600 Jahren aktiv.“

Beim Anblick meines fragenden Gesichtsausdrucks verdreht er die Augen. „Alle wollen in Hamburg leben, aber kaum jemand kennt sich mit der spannenden Geschichte dieser Stadt aus. Sei froh, dass du mich als Fremdenführer hast, du Glücklicher. Früher diente der Grasbrook als Schauplatz etlicher Hinrichtungen, und der Legende nach war im Jahre 1400 irgendwas ein gewisser Klaus Störtebeker unter ihnen.“

„Ach, mir dämmert es“, unterbreche ich Fietes Geschichtsstunde und wühle in meinem Gedächtnis nach den richtigen Infos. „Das ist doch dieser Pirat, der geköpft noch einige Meter gegangen ist, um einige seiner Kameraden zu retten.“

„Genau der“, stimmt mir Fiete zu und biegt über eine der Brücken in die Speicherstadt ein. „Da hast du ja im letzten Moment doch noch mal deine Ehre gerettet.“

„Mal schauen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Hinrichtungen und unserem Fall gibt“, überlege ich laut, während die am Fenster vorbeiziehenden geschichtsträchtigen Speicherstadthäuser den nüchternen Neubauten der Hafencity weichen.

„Das sollten wir auf jeden Fall im Blick behalten“, murmelt Fiete und bringt das Auto hinter den Wagen der Spurensicherung zum Stehen.

„Moin“, begrüßt uns einer der Mitarbeiter in den weißen Anzügen, während wir uns dem abgesperrten Bereich nähern. „Ich hoffe, ihr habt noch nicht gefrühstückt. Der Anblick ist nicht ohne.“

„Lass mal sehen“, brummt Fiete mit ernster Miene.

Obwohl ich einiges erwartet habe, überkommt mich ein Schaudern, als der Fundort in mein Blickfeld rückt. Ein abgetrennter Kopf, aufgespießt auf einen Metallspieß, der in eine abfallende Rasenfläche gerammt wurde, auf der das herabgetropfte Blut seine Spuren hinterlassen hat. Um mich zu sammeln, drehe ich mich kurz weg und tue so, als ob ich die Umgebung in Augenschein nehmen würde. Etwa 180 Grad gedreht, schaue ich direkt auf eine graue Bronzefigur, die sich mir zuwendet. Mein Kopf wandert zwischen dem Opfer sowie der Statue hin und her. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, dass sich die beiden ansehen.

„Es gibt also wirklich einen Zusammenhang“, erklärt Fiete, als er meinen Blick zur Störtebeker-Statue bemerkt.